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Vers. 2.60

© Jörg Rust 2013

Info - Schulbushaltestellen sind immer noch gefährlich

Schulbushaltestellen sollten sicherer werden - diese Absicht jedenfalls hatte der Gesetzgeber, als er 1995 die Paragraphen 16 und 20 der Straßenverkehrs-ordnung (StVO) änderte. Kaum eine Änderung der StVO hat soviel Verwirrung gestiftet und Staub aufgewirbelt.

Auch heute noch ist vielen Kraftfahrern diese neue Regelung nicht bekannt oder wird falsch interpretiert. Und was das richtige Verhalten von Schülerinnen und Schülern betrifft hat sie neue Fragen aufgeworfen.

Diese Regelung genügt vielen engagierten Verkehrssicherheitsexperten nicht. Da die (zwar seltenen) Unfälle beim Überqueren der Fahrbahn zu den schwersten, oft tödlichen, Unfällen zählen, fordern sie nach amerikanischem Vorbild ein absolutes Fahrverbot für jedermann, wenn Schulkinder in Busse aus- oder einsteigen.

Doch lassen sich die Verkehrsverhältnisse ver-schiedener Nationen nicht so einfach vergleichen und schon gar nicht vereinheitlichen. So stellt die Fassung der Paragraphen 16 und 20 StVO einen mühsam erkämpften Kompromiss dar, mit dem wir zurecht kommen müssen.

Bemerkenswert ist insbesondere:

  • Die Regelung gilt sowohl im speziellen Schulbusverkehr als auch im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
  • Die Busfahrer haben nur an solchen Haltestellen Warnblinklicht einzuschalten, an denen erfahrungsgemäß mit besonderer Gefährdung von Personen gerechnet wird (§16 StVO). Diese Haltestellen werden durch die Straßenverkehrsbehörde festgelegt und sind den Busfahrern bekannt. Zum Teil sind sie durch einen orangefarbenen Ring an der Stange des Haltestellenschildes markiert.
  • Die Regelung macht keinen Unterschied zwischen Haltestellen innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften.
  • Bereits wenn man mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h an einem Bus vorbeifährt, dessen Warnblinkanlage in Betrieb ist, beträgt die Geschwindigkeitsüberschreitung mehr als 30 km/h! Damit besteht Gefahr des Führerschein-Entzugs!

Die Regelung von 1995 - Überholverbot und vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit - soll verhindern, dass Kinder, die vor oder nach der Busfahrt die Straße überqueren, von rasch vorbeifahrenden Fahrzeugen erfasst werden. Problem: Kinder sind durch ihr spontanes Verhalten und ihre eingeschränkte Wahrnehmung von Verkehrssituationen stärker gefährdet als Erwachsene.

Deshalb lernen sie im Verkehrserziehungsunterricht, dass sie nach dem Verlassen des Busses die Straße auf keinen Fall sofort überqueren dürfen. Sie sollen stattdessen warten, bis der Bus die Haltestelle wieder verlassen hat. Spätestens dann müssen sie selbst entscheiden, wann sie die Straße überqueren können/wollen. Dieses Entscheidungsproblem kann auch die neue StVO-Regelung nicht lösen.

Quelle: P l u s p u n k t 3/2002